1. Worin liegen die Unterschiede zu einer „normalen“ Schule? Was sind die Kernmerkmale der Jenaplan-Schule?

Die Jenaplan-Schule ist eine staatlich genehmigte Grundschule. Als Träger fungiert der Verein „Jenaplan-Schule Nürnberg e.V.“.

Einige spezifische Kernmerkmale sind:

  • unsere vier Säulen sind das Spiel, das Gespräch, die Feier und die Arbeit.
  • rhythmisierter Tages- und Wochenplan statt eines im 45-Minuten-Rhythmus getakteten Fetzenstundenplans,
  • jahrgangsübergreifende (1. – 4. Jahrgangsstufe) Stammgruppen statt Jahrgangsklassen,
  • Anknüpfung der Unterrichtsthemen an den Interessen der Kinder: Wir wollen die Selbstmotivation der Kinder aufrechterhalten, nicht bremsen.
  • Notenfreiheit/keine Ziffernnoten: Wir vergleichen und selektieren nicht über Tests oder Zeugnisse mit Ziffernnoten, sondern orientieren uns an der individuellen Leistung eines jeden Kindes.
  • Schulgemeinde: Eltern werden in das Schulleben mit einbezogen. Sie sind Partner und Unterstützer der Schulgemeinde.
2. Der Unterricht geht vom Kind aus. Was heißt das?

Kinder stecken von Natur aus voller Neugier und lernen gerne. Die Jenaplan-Schule möchte diesen Drang fördern und nicht ersticken. Wir lassen den Kindern daher viel Raum selbst zu entdecken, zu experimentieren und zu forschen.

Unsere Pädagogen begleiten dabei die Schüler in ihrem individuellen Lernvorgang, helfen ihnen und ermutigen sie. Sie schaffen gezielt Lernanreize und regen so Fragen und Lernprozesse an.

3. Eignet sich die Jenaplan-Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten?

Wir sehen das Kind in seiner Gesamtheit. Jedes Kind hat seine eigenen besonderen Stärken, Fähigkeiten und Neigungen, die es voll entfalten können soll. Niemand ist weniger wert als der Andere. Daher ist die Jenaplan-Schule auch eine Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten.

4. Wenn mein Kind den anderen hilft, kommt es dann überhaupt selbst noch dazu, etwas zu lernen und seine Aufgaben zu erledigen?

Zu den Kernkompetenzen zählen Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsbereitschaft und Toleranz. Wenn die Kinder sich gegenseitig helfen, lernen sie, sich zu trauen, um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehmen und Hilfe zu geben.

Ganz nebenbei wird durch die Artikulation des eigenen Wissens das Gelernte wiederholt und besser verstanden.

5. Wie läuft der Übertritt in eine weiterführende Schule nach der vierten Klasse?

Für uns ist die Entwicklung der Kinder nach vier Grundschuljahren nicht abgeschlossen. Deswegen erscheint es logisch, den eingeschlagenen reformpädagogischen Weg auch auf weiterführenden Schulen weiter zu gehen. Dazu gibt es gerade in Nürnberg viele verschiedene und gute Möglichkeiten (siehe Gemeinschaft freie Schulen – FAQ 11). Sollten sich Eltern gegen diesen Weg entscheiden, müssen unsere Viertklässler für eine staatliche oder städtische Realschule, bzw. Gymnasium einen Probeunterricht (Prüfung) absolvieren und diese bestehen. Hierzu werden den Kindern Hilfen angeboten.

6. Elternmitarbeit – was bedeutet das? Was kommt auf uns zu?

Die Jenaplan-Schule ist eine Einrichtung, die besonders dann gedeiht, wenn alle mithelfen: Lehrer, Kinder und Eltern zusammen. 15 Stunden Arbeit im Jahr erwarten wir uns von jedem Elternteil. In verschiedenen Arbeitsgemeinschaften (z.B. Hofgestaltung, Organisation von Festen, Mitarbeit und Pflege der Schulbibliothek, …) sollen die Eltern aktiv das Schulleben mitgestalten.

Welche das genau sind, können Sie unter Elternmitarbeit und AGs nachlesen.

7. Wie kann ich mein Kind an der Jenaplan-Schule anmelden?

Wenn Sie ihr Kind an der Jenaplan-Schule anmelden wollen, füllen Sie einfach unser Online-Formular für die Vormerkung aus und schicken es gleich ab.

Mit dieser Vormerkung wird Ihr Kind in die Warteliste der Jenaplan-Schule Nürnberg aufgenommen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen aufgrund der begrenzten Kapazität, damit aber noch keinen Anspruch auf einen Schulplatz garantieren können.

Hat Ihr Kind schon eine andere Grundschule besucht und möchte nun zur Jenaplan-Schule wechseln, beachten Sie bitte unser PDF „Fahrplan_zur_Anmeldung_Quereinsteiger“.

8. Welche monatlichen Kosten kommen auf mich/uns als Eltern zu?

Die Grundgebühr für das Schulgeld beträgt monatlich 205,00 €. Hinzu kommen noch weitere Gebühren für die Hortbetreuung und (wenn gebucht) ein tägliches warmes Mittagessen sowie die einmalige Aufnahmegebühr und die Zahlung eines zinslosen Darlehens, das sie beim Austritt zurückerhalten.

Eine genaue Aufschlüsselung der Kosten und Gebühren finden Sie unter Gebühren.
– Alle Preise Stand September 2016 –

9. Schule mit Ganztagesangebot – Was bedeutet das?

Der Unterricht an der Jenaplan-Schule beginnt montags bis freitags um 8:30 Uhr. Davor kann die Frühbetreuung ab 7:30 Uhr oder 8:00 Uhr gebucht werden. Schule und Hort greifen ineinander, so dass die Hortbetreuung am Nachmittag konzeptionell und inhaltlich mit dem Vormittag verknüpft ist und diesen logisch weiterführt. So besteht die Möglichkeit von 14 Uhr bis 15 Uhr das am Vormittag Erlernte zu üben, zu wiederholen und zu vertiefen. Im freien Nachmittag von 15 Uhr bis 16 Uhr gestalten die Kinder selbst mit den Pädagogen (und Eltern) Angebote im Schulhaus. Bis 17 Uhr (am Freitag bis 15:30 Uhr) ist Hortbetreuung gewährleistet, die Kinder können sich im ganzen Haus und Hof bewegen, spielen, basteln und kreativ sein.

10. Warum heißt es eigentlich „Jenaplan“?

Als Begriff taucht der „Jenaplan“ erstmals 1927 auf dem 4. Kongress des Weltbundes für Erziehung in Locarno auf. Die Teilnehmer des Kongresses bezeichneten damit Peter Petersens reformpädagogischen Bildungsansatz einer „Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule“, den er an der Universitätsschule Jena praktizierte und ausbaute.

11. Worin liegt der Unterschied zu anderen Reformpädagogik-Schulen, wie Montessori, Freinet, Waldorfschule (Steiner)?

In Nürnberg gibt es die Gemeinschaft freie Schulen, in welcher sich die freien Schulen zusammengeschlossen haben, um auf pädagogischer und auf politischer Ebene gemeinsam zu arbeiten. Zur Gemeinschaft gehören die Adolf-Reichwein-Schule, die Jenaplan-Schule, die Montessori-Schule, die Montessori-Fachoberschule, die Rudolf-Steiner-Schule, die Wilmhelm-Löhe-Schule und das Jenaplan-Gymnasium.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass all diese Ansätze ihren Ursprung in der gleichen Idee bzw. im gleichen Geist haben: Ab der Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts wehrten sich Pädagogen gegen die vorherrschenden starren und autoritären Bildungskonzepte. Das Bestreben, diese zu verändern, zu reformieren und zu verbessern, führte zu neuen Erziehungsansätzen – einer Erziehung, die am Kind orientiert ist und vom Kind ausgeht. Montessori, Freinet, Reichwein, Steiner oder Petersen – sie alle entwickelten dafür eigene reformpädagogische Konzepte. Was die Schulen eint, sind geringerer Leistungsdruck für Schüler, Selbstständigkeit und handlungsorientierter Unterricht. Auf Noten, starre Stundenpläne und Sitzenbleiben wird zumeist verzichtet. Der Lehrer soll nicht nur „Lehrer“, sondern vor allem Begleiter und Partner sein.

12. Wer war Peter Petersen?

Prof. Dr. Peter Petersen war ein bedeutender deutscher Reformpädagoge und Erziehungswissenschaftler. Wie viele Pädagogen seiner Zeit strebte er nach einer Erneuerung des vorherrschenden starren Erziehungs- und Unterrichtswesens. Er wurde am 26.06.1884 in Flensburg geboren und war seit 1923 am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften an der Universität Jena und damit als Leiter der dort angeschlossenen Universitätsschule tätig. In Jena entwickelte er über mehrere Jahre hinweg einen eigenen pädagogischen Ansatz zur Erziehung und Schulbildung – den Jenaplan.

13. Wie steht die Jenaplan-Schule zu Peter Petersen, dem Begründer der Jenaplan-Pädagogik, und seinen antisemitischen und rassistischen Äußerungen während des NS-Regimes?

Die Jenaplan-Schule distanziert sich „[… ] selbstverständlich, eindeutig und entschieden von Petersens politischem Fehlverhalten vor und nach der Machtübernahme der Nazis und allen antisemitischen und rassistischen Äußerungen […]“.  Die Jenaplan-Schule ist ein ein Ort der Menschenwürde. Das Konzept der Jenaplan-Schule ist geprägt von „Ehrfurcht vor dem Leben“, „Gleichachtung und Wertschätzung des Mitmenschen“ , sowie „Toleranz und Friedfertigkeit“.

„[…] In Petersens Konzepten finden wir die Verknüpfung von „freier“ Schule mit den Gedanken der Toleranz und der Humanität. Solche Gedanken waren es, die sein Modell zu internationalen Wirkung brachten, solche Gedanken sind es, denen wir nachspüren.“

Unsere gesamte Stellungnahme findet sich unter Zusätzliche Informationen.